Die Frau vom Meer, Ibsen
Teatrul Tony Bulandra, Târgoviște, Rumänien

„Mein Inneres, – meine Gedanken – dieses ganze Sehnen und Begehren – das kannst Du nicht in Fesseln schlagen! Das wird immer weiter streben und stürmen – ins Unbekannte hinaus, für das ich geschaffen bin, – und das Du mir verschlossen hast!“

Das verpasste Leben, die Wege die wir nicht eingeschlagen haben, die Möglichkeiten, die wir haben verstreichen lassen. Henrik Ibsens Frau vom Meer erzählt von einem ungelebten Leben. Statt auf das freie ungebändigte Meer hinaus hat es Ellida in die seichte aber gefahrenfreie Existenz kleinbürgerlicher Enge verschlagen. Anstelle der mysteriösen Liebe ihrer Jugend, einem amerikanischen Bootsmann mit Augen wie die See, hat sie den biederen aber grundanständigen Doktor Wangel geheiratet, in dessen beschaulichen Heim sie nun aber immer weniger Platz zum Atmen findet.

Auch nach fünf Jahren Ehe ist Ellida noch immer eine Fremde im Haus ihres Mannes, gelingt es ihr immer weniger, die Lücke zu schließen, die der Tod von Wangels erster Frau in die Familie gerissen hat. Statt dessen schweift Ellidas Blick immer öfter hinaus auf den Ozean, wenden sich ihre Gedanken jenem anderen Leben zu, das sich ihr eröffnet hat, als sie dem fremden Seemann im Angesicht des Meeres ihre Treue geschworen hat.

Ibsens Frau vom Meer ist psychologische Charakterstudie und symbolisch aufgeladenes Albtraumspiel in einem. Die Figuren sind mit Schuld Beladene, Unterdrückte, die sich eher in sich selbst zurückziehen, als miteinander zu sprechen. Schuldig fühlen sie sich, da sie für einander nicht sein können, wer sie sein müssten. Unterdrückt, weil sie sich unter denen an sie gestellten Ansprüchen so weit verbiegen, dass sie am liebsten alles einstürzen lassen würden, um sich endlich zu befreien.

Ibsen sieht die Lösung dieser Konflikte nicht in der Eskalation, nicht darin, dass Ellida alles zurücklässt, was sie scheinbar von sich selbst trennt, sondern in ihrer Emanzipation, im Annehmen der Verantwortung für ihr eigenes Schicksal. Frei aber kann sie erst sein, nachdem Wangel ihr eben diese Freiheit auch zugesteht - wenn er nicht mehr versucht, die geliebte Frau durch Abhängigkeit an sich zu fesseln, sondern ihr ermöglicht freiwillig und auf eigenen Wunsch bei ihm zu bleiben.

Mit: Andreea Tănase, Sebastian Bălăşoiu, Adelaida Perjoiu, Ilie Ghergu, Marina Palii, Emanuel Bighe, Daniel Nuţă

Kostüme: Raluca Frățiloiu