Der goldene Drache, Schimmelpfennig
Серовский Театр Драмы имени А.П.Чехова, Serow, Russland

"Sag mal, spinnst du, siehst du, was du mit ihr gemacht hast, sieh mal, sieh dir an, wie sie blutet, o Gott, o Gott, das ist doch kein Tier!"

Der in Deutschland sehr bekannte, zeitgenössische Theaterautor Roland Schimmelpfennig hat ein Stück über ein China-Vietnam-Thai-Schnellrestaurant geschrieben: „Der goldene Drache“. Hier wird in der winzigen Küche zwischen zischenden Gaskochern einem jungen Chinesen ohne Aufenthaltsgenehmigung ein furchtbar schmerzender Schneidezahn mit einer Rohrzange gezogen. Und dieser Zahn gelangt über den Umweg durch die Thai-Suppe, in der er aus Versehen gelandet ist, in den Mund einer Stewardess.

In der Küche wird die Geschichte von der hungrigen Grille erzählt, die zum Opfer der geschäftstüchtigen Ameise wird und den ganzen langen Winter im dunklen Bau der Ameise gefangen gehalten wird, ohne zu merken, dass es draußen längst Frühling geworden ist. Und schmerzhaft vertraut erscheint das Schicksal der kleinen Asiatin, die beim Verlassen ihres dunklen Zimmerchens dem betrunkenen Kumpel des Lebensmittelhändlers in die Arme läuft. Und als der junge Chinese schließlich nach der Rohrzangenoperation verblutet, wickelt man ihn in einen großen Drachenteppich und wirft ihn in den Fluss. Von dort schwimmt er endlich wieder nach Hause, nach China.

In der Tradition Brechts betrachtet Roland Schimmelpfennig die Verhältnisse im und um den "Goldenen Drachen" aus den verschiedensten Perspektiven. Die Schauspieler erzählen dem Publikum die Geschichte und nehmen darin wechselnde Rollen an. Männer werden von Frauen und Frauen von Männern gespielt. Das Ergebnis ist poetisch, brutal, rätselhaft und berührend.

Der deutsche Regisseur Andreas Merz-Raykov hat den "Goldenen Drachen" im Juni 2013 im Rahmen des Festivals der kleinen Städte unter der Leitung des Moskauer Theaters der Nationen in Serow als Skizze inszeniert - und ein Jahr später zu Ende gebracht.

"Der Goldene Drache" ist ein Stück über die kleinen Leute, die wir oft nur am Rand oder gar nicht wahrnehmen - wie eben z.B. den asiatischen Kellner im Schnellrestaurant - hier stehen sie auf einmal im Zentrum, direkt vor unserer Nase, auf der Bühne des Serower Theaters, und erzählen uns ihre Geschichte. Weil sie es wert sind, angehört zu werden. Weil es Ihnen wichtig ist, von uns angehört zu werden. Weil wir ihnen wichtig sind.

Mit: Marianna Nezluchenko, Alexandra Nezluchenko, Dmitriy Plokhov, Sergey Zyrjanov, Evgeniy Vjatkin

Bühne und Kostüme: Andreas Merz-Raykov / Alexey Lobanov