Das Schloss, Kafka
Московский Художественный театр имени А. П. Чехова, Moskau, Russland

"Es gibt Dinge, die an nichts anderem scheitern, als an sich selbst."

Im Januar 1922 beginnt Franz Kafka mit den Arbeiten zu seinem letzten Roman „Das Schloss“. Im August des selben Jahres gib er seine Bemühungen frustriert wieder auf. Es will ihm nicht gelingen, die unzähligen Handlungsstränge zu einem einheitlichen Ganzen zusammenzuführen. Und so bricht das Fragment schließlich mitten im Satz ab.

Aus Sorge den Schreibfluss und damit vielleicht die gesamte Erzählung zu verlieren, entwickelt Kafka seine Geschichte immer weiter nach vorne, ohne sich lange mit Korrekturen oder konzeptionellen Überlegungen aufzuhalten. Schon einmal hatte er seiner Meinung nach eine Erzählung durch eine ungewollte Unterbrechung verloren – nie konnte Kafka verschmerzen, dass er die Arbeit an der „Verwandlung“ wegen einer Dienstreise für drei Tage hatte ruhen lassen müssen.

Das Getriebensein des Schreibprozess scheint sich im Roman selbst wieder zu spiegeln. Ohne fassbares Ziel, aus dem Nebel einer nur diffusen Vergangenheit taucht der Protagonist K. eines Abends im Dorf unterhalb des Schlosses auf und erklärt, der bestellte Landvermesser zu sein. Niemand hat ihn erwartet, man weist ihn zunächst ab. Im Laufe der Handlung wird K. keine Möglichkeit ungenutzt lassen, um in direkten Kontakt mit dem Schloss zu treten und damit seine Anwesenheit zu legitimieren. Es wird ihm nicht gelingen. Statt dessen verwirrt sich K. in einem unaufhaltsam wuchernden Netz aus Figurenkonstellationen und Handlungsoptionen.

Obwohl sich Kafkas Held dem Schloss stetig nähert, scheint es doch so, als würde es sich immer weiter von ihm entfernen. Und je weiter sich die Figur in die Welt des Romans hineinbewegt, desto mehr scheint sie sich in der Unübersichtlichkeit der dortigen Verhältnisse zu verlieren – desto mehr bleibt K. nur die Hoffnung auf den einen Lucky Punch – endlich mit dem wichtigen Schlossbeamten Klamm direkt zu sprechen, um so den Demütigungen durch dessen Untergebene und deren Unfähigkeiten zu entgehen.

In seinen Bemühungen um die Anerkennung Klamms übersieht K., dass er das eigentliche Ziel seines Kampfes zunehmend aus den Augen verliert, dass ihm dieser Kampf immer mehr zum Vorwand dient, sich nicht der Verantwortung für seine eigenen Handlungen stellen zu müssen, dass er selbst bereits zum Teil eines Systems geworden ist, das er durch sein Tun eigentlich zu überwinden sucht.

Mit: Dmitry Gotsdiner, Natasha Shvets, Natalia Kochetova, Valery Hlevinsky, Yana Davidenko, Gregory Trapeznikov

Übersetzung: Ekaterina Raykova-Merz