Andreas Merz-Raykov studierte Dramaturgie an der Bayerischen Theaterakademie und der Ludwig-Maximilians-Universität in München und Theater-Regie an der Universität Mozarteum in Salzburg. Nach dem Studium arbeitete er am Bayerischen Staatsschauspiel in München bis er 2008 an die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Berlin wechselte, wo er mit Frank Castorf zusammenarbeitete und mehrere eigene Inszenierungen realisierte.

Von 2012 bis 2013 arbeitete Andreas eng mit dem Theater Heimathafen Neukölln zusammen, das sich als Kiez-Theater in Deutschlands bekanntestem Problembezirk mit der Thematik Neuköllns und der seiner Bewohner auseinandersetzt. Dort inszenierte er unter anderem 2013 seine eigene Bearbeitung von Franz Kafkas Verwandlung unter dem Titel Der Käfer.

2012 erhielt Andreas auf Frank Castorfs Empfehlung das Villa-Serpentara-Stipendium der Akademie der Künste, verbunden mit einer Residenz in Olevano Romano, Rom, Italien.

2013 wurde Andreas vom Theater TUZ in Saratow eingeladen, im Rahmen des deutschen Kulturjahres in Russland Bertolt Brechts Die heilige Johanna der Schlachthöfe zu inszenieren. Seitdem ist er in Zusammenarbeit mit seiner Frau, der Übersetzerin Ekaterina Raykova-Merz, an zahlreichen Theatern in Russland tätig.

Andreas Inszenierung von Brechts Der Jasager und der Neinsager (Perm) wurde 2015 als "Beste Produktion der kleinen Form" für den nationalen russischen Theaterpreis Goldene Maske nominiert. Ebenfalls erhielt Andreas eine Nominierung als "Bester Regisseur".

2016 nominierte das Expertenkomitee der Goldene Masken die Produktion Endstation Sehnsucht aus Serow als "Beste Produktion der großen Form" und Andreas erneut als "Besten Regisseur".

In seinen Arbeiten interessiert Andreas besonders die Beschäftigung mit den kulturellen und sozialen Gegebenheiten vor Ort, die persönliche Geschichte der Darsteller und die Frage, wie literarische Stoffe sich in den jeweiligen Kontexten aufgrund von lokalen Besonderheiten aufladen und eine zusätzliche Bedeutung gewinnen. Es ist ihm ein Anliegen auf der Bühne vor allem die persönliche Qualität der einzelnen Spieler sichtbar zu machen, um so interessante Wechselwirkungen zwischen den Darstellern und ihren Rollen herzustellen. Theatertexte sind für Andreas niemals nur eine Form, die es zu erfüllen gibt, sondern in erster Linie Spielverabredung und Grundlage für einen gesellschaftspolitischen Dialog mit dem Ensemble.