Acht Frauen, Thomas
Teatrul Nottara, Bukarest, Rumänien

„Oh, Gott... Marcel... der arme Marcel...“

Acht Frauen und eine Leiche: In ihrem abgelegenen Landsitz treffen die Mitglieder einer wohlhabenden Industriellenfamilie und ihr Anhang zum Weihnachtsfest aufeinander. Doch die Feiertage gestalten sich andere als fröhlich: schon bald wird das Familienoberhaupt und einzige Mann im Haus mit einem Messer im Rücken tot in seinem Bett aufgefunden. Das Telefonkabel ist durchgeschnitten, das Auto fahruntüchtig gemacht, versperrt das Tor zur Außenwelt und draußen wütet ein Schneesturm. Nur die anwesenden Damen kommen als Täter infrage. Keine von ihnen hat ein Alibi, alle haben ein Motiv und jede etwas zu verbergen. Im Verlauf der aberwitzigen Handlung verstricken sich die acht Frauen tiefer und tiefer in einem Netz aus Lügen und Heimlichkeiten.

Die Kriminalkomödie „Acht Frauen“ des französischen Autors und Regisseurs Robert Thomas folgt der klassischen Struktur des Wer-ist-der-Mörder-Krimis im Stile von Agatha Christie und Edgar Wallace. Jemand hat einen unnatürlichen Tod erlitten und die einzige Möglichkeit der Anwesenden, einem ähnlichen Schicksal zu entgehen, besteht darin, die Tat selbst aufzuklären, bevor der Mörder wieder zuschlägt – denn nur eines scheint klar: der Täter befindet sich mitten unter uns. Jede der Frauen könnte es gewesen sein, und doch geht es hier um mehr, als nur um die Aufklärung eines Verbrechens.

Das Stück entwirft ein Soziogramm einer bourgeoisen Familie im Frankreich der 50er Jahre: allein dem hart arbeitenden Mann obliegt es, für das materielle Wohl der Familie und ihrer Angestellten zu sorgen, während den Frauen in ihrem goldenen Käfig nichts anderes bleibt, als sich in kleineren und größeren Konflikten unentwegt um sich selbst zu drehen. Der Mord scheint dies nur zu beschleunigen: acht Frauen, acht Leidenschaften, achtmal aufgestaute Mutmaßung, Frustration und Verletzung prallen auf- und gegeneinander. In einzigartiger Weise gelingt es dem Autor, Elemente des Thrillers und der Komödie, ernsthafte anrührende Momente und absurd überzeichnete Farce in einer Geschichte zu vereinen. „Acht Frauen“ eröffnet dem Publikum einen tiefen Blick auf die Charaktere des Stücks, auf ihre Hoffnungen und Sehnsüchte, in denen wir uns selbst spiegeln und wiedererkennen – bevor wir bereits im nächsten Moment eingeladen sind, über unsere eigenen Unzulänglichkeiten zu lachen.

Robert Thomas „Acht Frauen“ sind Parasiten und Blutsauger, die jedem Mann um den Verstand bringen können. Sie sind aber auch der einzige Funken Leben in einer durch Konventionen und Arbeit erstarrten Welt, über die es sich zwar herrlich beschweren lässt, deren Schutz man aber doch nicht missen möchte. Emanzipation ja – aber bitte nicht auf Kosten der eigenen Bequemlichkeit.

Mit: Victoria Cociaş, Cristina Stoica Ivanciuc, Ioana Calotă, Diana Roman, Laura Anghel, Raluca Juganaru, Anca Bejenaru, Marina Palii

Bühne und Kostüme: Alexandra Boerescu
Musik: Tibor Cari